Abendmahl

Abendmahl liturgisch


Abendmahl theologisch

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Der Abendmahlsgottesdienst orientiert sich an den in RG 153 festgehaltenen fünf Wegschritten: Sammlung – Verkündigung – Fürbitte – Abendmahl – Sendung.

Der eigentliche Abendmahlsteil gliedert sich in

Zurüstung des Tisches und Einladung
Anbetung und Lob
Abendmahlsbericht
Abendmahlsgebet (Bitte um den Heiligen Geist, Vergegenwärtigung des Heils, Unser Vater, Friedensgruss)
Austeilung (Gesang, Austeilung, Dankgebet)

In Abendmahl I und II der Liturgie Taschenausgabe (TLIt) ist diese Grundform modellhaft ausgestaltet.

Im Vergleich zu früheren Liturgien (etwa im Band III Abendmahl von 1983) fällt auf, dass in RG 153 die Anbetung im Abendmahlsteil grösseres Gewicht erhält. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Dank wesentliche Grunddimension des Abendmahls ist (eucharistein). Das Abendmahlsgebet mit Epiklese und Anamnese nimmt zwei weitere zentrale Elemente reformierten Abendmahlsverständnisses auf (siehe unten „Abendmahl theologisch“). Die Abendmahlsliturgie ist in dieser Form im wesentlichen Gebet und integriert Elemente der Messform.

Gleichzeitig ist in den reformierten Kirchen der Deutschschweiz eine Form des Abendmahls verbreitet, bei der der Akzent stärker auf der Verkündigung liegt. Hier erhält die Abendmahlsbesinnung, in der wesentliche Aspekte des Abendmahls erzählend dargestellt werden, grösseres Gewicht. (In älteren Formularen nahmen die sog. Abendmahlsvermahnung und das Sündenbekenntnis grossen Raum ein.) Diese schlichte und knappe Abendmahlsform umfasst die Besinnung, die Einsetzungsworte, kurze Gebete (v.a. das Unser Vater), die Austeilung und den Dank.

Während früher die Entlassung vor dem Mahl üblich war, ist in RG 153 das Abendmahl bewusst integraler Bestandteil des Gottesdienstes; dieser ist auf das Abendmahl hin ausgerichtet (vgl. TLit, Abendmahl I). In vielen Gemeinden wird das Abendmahl in der Regel einmal im Monat sowie an den hohen Festtagen gefeiert, mancherorts – insbesondere in Teilen der Westschweiz – auch jeden Sonntag.

Grundlagen und Literatur

Der reformierte Abendmahlsgottesdienst (A. Ehrensperger)

Die Messe (A. Ehrensperger)

Liturgiekonferenz der Evangelisch-reformierten Kirchen in der deutschsprachigen Schweiz, Band III Abendmahl, Bern 1983, siehe insbesondere die sehr informative Einführung (13–55).

Ralph Kunz, Abendmahlsgottesdienst, in: David Plüss, Katrin Kusmierz, Matthias Zeindler, Ralph Kunz (Hg.), Gottesdienst der reformierten Kirche. Einführung und Perspektiven, Zürich 2017, 224–242.

Liturgie- und Gesangbuchkonferenz der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, Liturgie. Taschenausgabe (TLit), Zürich 2011.

Alfred Ehrensperger, Der evangelisch-reformierte Abendmahlsgottesdienst in den Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Sein Charakter, sein Aufbau und seine Vorbereitung, in: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie 44/2005, 9–41.

Patrik Müller, David Plüss, Reformierte Abendmahlspraxis. Plädoyer für liturgische Verbindlichkeit in der Vielfalt (Schriftenreihe der Reformierten Landeskirche Aargau, Bd.1), Zürich 2005.

Materialien

Verschiedene Abendmahlsliturgien finden sich auch in den Rubriken Gottesdienst im Kirchenjahr, so bei Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Dank-, Buss- und Bettag, und “Gottesdienst im Lebenskreis”, so bspw. bei Salbungfeiern.


Informationen zu den frühchristlichen Mahlfeiern und zu den Einsetzungsworten Jesu finden Sie hier.

Abendmahl theologisch

Das Abendmahl ist ein sichtbares Zeichen für das unsichtbare heilsame Wirken von Gott (Sakrament). Die rituelle Verwendung von Brot und Wein in Versammlungen ist bereits für die ersten christlichen Gemeinden durch biblische und ausserbiblische Berichte belegt.

Grundsätzlich beinhaltet das Abendmahl verschiedene Motive: den Dank für Gottes schöpferisches Wirken (Eucharistie), die Vergegenwärtigung der Befreiung und Erlösung im Glauben an Christus (Anamnese), die Stärkung und Ermutigung der Gläubigen zu einem heilsamen Leben (Heiligung), die Feier der Gemeinschaft mit Gott und Menschen (Leib Christi) und das Teilen der Gottesgaben in Erwartung des kommenden Gottesreiches.

Die reformierte Abendmahlstheologie geht von der wirksamen Anwesenheit Gottes im Heiligen Geist aus: Gott wirkt heilsam in den Elementen von Brot und Wein durch den Heiligen Geist, der von der versammelten Gemeinde bittend empfangen wird. Ein rein symbolisches Abendmahlsverständnis (Brot und Kelch als blosse Hinweise auf etwas Vergangenes) entspricht ebenso wenig dem reformierten Gedankengut wie ein materialistisches Verständnis (Gott als nur im Brot und im Wein anwesend). Ausführende des Abendmahls sind in reformierten Gottesdiensten alle Gemeindeglieder, nicht nur der Liturge oder die Liturgin. Diese und die Gemeinde sind aber wiederum nicht Gastgebende, sondern selbst Gäste von Christus.

Literatur

Ralph Kunz, Abendmahlsgottesdienst, in: David Plüss, Katrin Kusmierz, Matthias Zeindler, Ralph Kunz (Hg.), Gottesdienst in der reformierten Kirche, Zürich 2017, 224–242.

Christiane Tietz, Sakramente, in: David Plüss, Katrin Kusmierz, Matthias Zeindler, Ralph Kunz (Hg.), Gottesdienst in der reformierten Kirche. Einführung und Perspektiven, Zürich 2017, 162–175.

Andrea Bieler, Louise Schottroff, Abendmahl. Essen, um zu Leben, Gütersloh 2007.

Christoph Amman, Ralph Kunz, Matthias Krieg, Abendmahl (Reihe denkMal – Standpunkte aus Theologie und Kirche, Bd.5), Zürich 2007.

Ralph Kunz, Eucharistie neu entdeckt – Zur Wirkungsgeschichte der reformierten Abendmahlstheologie, in: Der neue Gottesdienst. Ein Plädoyer für den liturgischen Wildwuchs, Zürich 2006, 57–74.

Institut für Theologie und Ethik (SEK), Das Abendmahl in evangelischer Perspektive. Überlegungen und Empfehlungen des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK-FEPS, Bern 2004. Download

Michael Welker, Was geht vor beim Abendmahl?, Gütersloh 2004.