Schuldbekenntnis

Zur Erfahrung vieler Menschen gehört das Schuldigwerden aneinander und an ihrer Mitwelt. Sie erleben sich als verstrickt in zerstörerische (globale) Zusammenhänge, gegenüber denen sie sich ohnmächtig fühlen. Menschen handeln der Intention Gottes, erfülltes Leben für alle zu ermöglichen, bewusst oder unbewusst zuwider. Im Schuldbekenntnis finden diese Themen ihren Ort im Gottesdienst. Der Akzent des Schuldbekenntnisses liegt dabei nicht beim Hinweis auf die Schuldhaftigkeit des Menschen, sondern auf der Vergebung und auf den neuen Möglichkeiten, die sich daraus für das Zusammenleben ergeben.

Vielfach wird ein allgemein gehaltenes Schuldbekenntnis als Teil des Eingangsgebetes formuliert (siehe dazu Beispiele aus der Reformierten Liturgie, 103–116). Grösseren Raum gewinnt das Schuldbekenntnis im „Gerüst eines Predigtgottesdienstes mit Bussteil“ unter der Nummer 152 im Gesangbuch. Hier folgt im Anschluss an die Sammlung im Wegschritt „Busse und Anbetung“ eine Lesung, ein Schuldbekenntnis mit „Bittstrophe“, gefolgt vom Zuspruch der Gnade und Vergebung. Im Abendmahlsgottesdienst (RG 153) ist das Schuldbekenntnis Teil des Sammlungsteils. In anderen reformierten Kirchen, bspw. bei den Waldensern oder in der französischsprachigen Schweiz, gehört ein ausführliches Bekenntnis üblicherweise zu jedem Gottesdienst dazu.

Die Herausforderung besteht darin, das Schuldbekenntnis so zu formulieren, dass es für heutige Menschen nachvollziehbar wird und sie es sich zu eigen machen können. Pauschalisierungen sowie einseitige Schuldzuschreibungen erschweren dies. Die Frage nach dem im Bekenntnis implizierten Gottes- und Menschenbild ist ebenfalls zu bedenken.

Im Gesangbuch und im Rise Up plus stehen verschiedene Lieder zum Schuldbekenntnis (z.B. RUpl 060) und Kyrie-Rufe (RG 193–201) zur Verfügung, aber auch Leitverse, mit denen sich die Gemeinde Vergebung zusprechen (RG 202) oder ihren Dank zum Ausdruck bringen kann (RG 203).