Predigt

„Einander ins Bild setzen“ – so formuliert der Homiletiker Martin Nicol die Aufgabe der Predigt. Sie lässt Menschen eintauchen in biblische Text- und Bildwelten und umgekehrt lässt sie biblische Worte menschliche Lebensszenarien erhellen. In diesem wechselseitigen Prozess werden Bibeltext und Erfahrung miteinander verwoben.

Die Predigt ist dialogisch – obwohl sie monologisch vorgetragen wird. Die Predigerin lässt sich auf eine Auseinandersetzung mit dem biblischen Text ein, sie versucht ihn in seinem Kontext wahrzunehmen und ihn sich in seiner Fremdheit zu erschliessen. Sie setzt sich selbst dazu in ein Verhältnis, indem sie ihre Gedanken und Anfragen dazu formuliert. Sie reflektiert ihn theologisch. Sie legt ihn auf eine bestimmte Situation hin aus, mit den Hörenden vor Augen. Dies im Vertrauen, dass der Text für sie selbst und die Gemeinde bedeutsam wird. In die biblischen Texte sind existentielle Erfahrungen eingeschrieben. Diese gilt es aufzuspüren und im Blick auf die Erfahrungen heutiger Hörer und Hörerinnen hin zu erschliessen.

Grundlagen und Literatur

Predigt: Die gottesdienstliche Rede (R. Kunz)

Lars Charbonnier, Konrad Merzyn, Peter Meyer (Hg.), Homiletik: Aktuelle Konzepte und ihre Umsetzung (Reihe Arbeitsfelder im Pfarramt), Göttingen 2012.

Ruth Conrad, Martin Weeber, Protestantische Predigtlehre. Eine Darstellung in Quellen, Tübingen 2012.

Albrecht Grözinger, Homiletik (Lehrbuch Praktische Theologie, Bd.2), Gütersloh 2008.

Martin Nicol, Einander ins Bild setzen. Dramaturgische Homiletik, Göttingen 2005.