Raum

Die Gestalt und Beschaffenheit des Raumes spielen im liturgischen Geschehen eine wesentliche Rolle. Der Raum „feiert“ mit. Die Art und Weise wie der Raum gestaltet und möbliert ist, trägt zum „Gesamtbild“ des Gottesdienstes bei. Als Akteur im Gottesdienst setzt er zudem bestimmte Rahmenbedingungen für die Liturgie: Er stellt mögliche (Sprech-)Orte zur Verfügung ebenso wie Orte, an denen getauft oder Abendmahl gefeiert wird. Er hat einen Einfluss auf die Akustik ebenso wie auf die Sitzanordnung. Hinzu kommen bestimmte technische Gegebenheiten, die einen grossen Einfluss beispielsweise auf die Auswahl der liturgisch nutzbaren Orte haben können.

Liturgiegestaltende müssen mit den Limitierungen des Raumes umgehen, können gleichzeitig aber die vielfältigen Möglichkeiten, die er bietet, bewusst nutzen. So können beispielsweise unterschiedliche Sprech- und Handlungsorte im Gottesdienstraum gewählt werden. Dadurch werden verschiedene liturgische Handlungen oder Sprechakte in sichtbarer Weise voneinander unterschieden und erleichtern der Gemeinde so das Verständnis und den Mitvollzug dieser Handlungen. Wird etwa nach dem Einzug zum Eingangsspiel ein Gebet und die Lesung von einem Lesepult aus und die Predigt von der Kanzel aus gehalten und das Abendmahl von einem entsprechenden Abendmahlstisch aus angeleitet, kann die Gemeinde unterschiedliche Schritte im Weg der Liturgie mitvollziehen, ohne dass diese durch zusätzliche Erklärungen voneinander unterschieden werden müssen.


Zum Aspekt Raumgestaltung im Zusammenhang mit dem Abendmahl sind hier weitere Überlegungen zu finden.

Literatur

Johannes Stückelberger, Raum und Bild als Elemente des reformierten Gottesdienstes, in: David Plüss, Katrin Kusmierz, Matthias Zeindler, Ralph Kunz (Hg.), Gottesdienst in der reformierten Kirche. Einführung und Perspektiven, Zürich 2017, 375–389.

Johannes Stückelberger, Albert Gerhards, Liturgie und Raum - in konfessioneller Perspektive, in: Birgit Jeggle-Merz, Benedikt Kranemann, Liturgie und Ökumene. Grundfragen der Liturgiewissenschaft im interkonfessionellen Gespräch, Freiburg 2013, 255–273.