Reformationssonntag

Der Reformationssonntag wird in den reformierten Kirchen der Schweiz jeweils am ersten Sonntag im November gefeiert, also in unmittelbarer Nähe zum, aber nicht gleichzeitig mit dem Gedenken an den Thesenanschlag Martin Luthers in den deutschen protestantischen Kirchen am 31. Oktober (Reformationstag).
Erst seit dem 19. Jahrhundert wird der Reformationssonntag schweizweit am gleichen Datum gefeiert, zunächst am ersten Sonntag nach Pfingsten. Zuvor gedachten die Kantonalkirchen an den jeweils für sie relevanten Daten der Reformation.

Der Reformationssonntag ist nicht zu verstehen als Feier der Trennung oder gar einer Kirchenneugründung in Abgrenzung zu anderen Konfessionen, sondern als dankbare und auch kritische Rückbesinnung auf die zentralen Erkenntnisse und Ereignisse der Reformation. Das Gedenken bleibt dabei immer mit der Frage verbunden, wie das Erbe der Reformatoren und Reformatorinnen (wie Wibrandis Rosenblatt, Marie de France …) in die Gegenwart überführt werden kann – im Sinne der “ecclesia semper reformanda”. “An die Reformation kann man sich nicht angemessen erinnern, ohne zugleich nach der Reformnotwendigkeit der Kirche heute zu fragen,” schreibt beispielsweise Christiane Tietz (s. Literaturhinweis, S. 265). Auch ein Akt der Busse kann angesichts der in der Reformationszeit ausgeübten Gewalt, bspw. an den Täufern und der teilweise bis heute andauernden Schwierigkeiten im interkonfessionellen Dialog durchaus angemessen sein.

Liturgisch nimmt der Gottesdienst am Reformationssonntag eines oder mehrere Elemente des Erinnerns, des Gedenkens, der Vergegenwärtigung oder der Busse in Gebeten, Liedern und Predigt auf. Der reiche reformatorische Liederschatz bietet dabei viele Gestaltungsmöglichkeiten. Lieder aus dem Genfer Psalter, Lieder von Huldrych Zwingli (Nr. 626, 713, 792) oder Martin Luther (s. Auflistung im RG, S. 1053f.) bieten sich an, ebenso gesprochene oder gesungene Bekenntnisse (RG 261–282). An vielen Orten wird am Reformationssonntag das Abendmahl gefeiert.

Literatur

Christiane Tietz, Feiern – Gedenken – Erinnern, in: Matthias Zeindler, David Plüss (Hg.): “In deiner Hand meine Zeiten …” Das Kirchenjahr. Reformierte Perspektiven, ökumenische Akzente, Zürich 2018, 249–268.

Martin Hirzel, Wie feiern die Nachfahren Zwinglis und Calvins?
www.ref-500.ch (…) Reformationskongress/100126_beitrag_mh_geschichte.pdf

Materialien

SEK-Liturgie zum Reformationssonntag 2017
Im Rahmen von “500 Jahre Reformation” hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund für den Reformationssonntag am 5. November 2017 die Schaffung einer Liturgie in Auftrag gegeben. Sie trägt den Titel Weil wir Grund haben, liegt in den vier Landessprachen vor und ist – als variables Modell – mit zusätzlichen Materialien erhältlich. Die Liturgie soll am Reformationssonntag vor allem den landeskirchlichen und regionalen Gottesdiensten zugrundegelegt werden und damit alle 26 Kirchen des SEK in einer gemeinsamen Feier miteinander verbinden.